Sicherheit im Haus
In unserem Zuhause wollen wir uns geborgen und sicher fühlen. Damit wir das auch wirklich sind, lohnt sich ein Kontrollgang durch das Haus. Oftmals reichen schon wenige, einfach umsetzbare Massnahmen, um für mehr Sicherheit zu sorgen und Schlimmeres zu verhindern.
Text — Thomas Bürgisser
Erste Stolperfallen warten bereits beim Eingangsbereich, sei es in Form von Treppenstufen, einer kleinen Schwelle, einem nicht-überdachten und deshalb nassen Bereich – bei gleichzeitig zu wenig Licht, fehlendem Handlauf und Rutschschutz.Tatsächlich liessen sich viele Stürze einfach verhindern. Idealerweise ist das Licht mit einem Präsenzmelder gekoppelt, ein Handlauf nützt auf einer Höhe von 85 bis 90 Zentimetern am meisten und vor rutschigen Stufen schützen Gleitschutzstreifen.
GEFAHR 1: DIE TREPPE
Hereinspaziert – und Licht an! Damit Stolperfallen wie Spielzeug, Kabel oder Teppiche gesehen werden. Wobei die ersten beiden nicht herumliegen und letztere mit einer Antirutschmatte unterlegt sein sollten. Und nicht immer reicht nur ein Licht. So müssen bei einer Treppe wirklich alle Stufenvorderkanten gut ausgeleuchtet sein. Betrachten wir die Treppe doch gleich genauer: Mit kleinen Kindern gehört hier der Zugang mit einem Gitter gesichert. Bei einer offenen
Treppe gilt ein Maximal-Abstand zwischen den Stufen von zwölf Zentimetern, ansonsten schliessen Kinderschutzleisten die Lücke. Auch beim Treppengeländer mit Stäben sind diese zwölf Zentimeter Abstand die Norm, damit kein Kinderkopf hindurchpasst, während die Mindestgeländerhöhe mit 90 Zentimeter, bei Zwischenebenen mit einem Meter angegeben wird.
Foto: Tomasz Zajda/AdobeStock.com
INFO
EIN BLICK IN DIE STATISTIK
- Über die Hälfte der rund 1,1 Millionen Nichtberufsunfälle passieren im Bereich Haus und Freizeit. Wiederum fast die Hälfte davon sind Unfälle zuhause.
- Gut die Hälfte der Nichtberufsunfälle in Haus und Freizeit sind Stürze. 170'000 davon geschehen auf ebener Fläche, je rund 50'000 aus der Höhe und auf Treppen bzw. Stufen. In der Altersklasse über 65 Jahren machen die Stürze sogar 70 Prozent aller Unfälle aus.
- Von den 2500 Todesfällen sind gut 2200 auf den Bereich Haus und Freizeit zurückzuführen, 1700 verursacht durch Stürze.
- Mit 50'000 folgt als häufigste Unfallursache nach dem Stürzen der Bereich «Schneiden, Kratzen, Reissen, Abtrennen» sowie mit rund 45'000 die Kategorie «Biss, Stich durch Tier».
- Am meisten Unfälle im privaten Wohnbereich passieren mit 65'000 im Wohn-/Schlafzimmer. Dahinter folgen Garten und Gartenpool (46'000) und Küche (42'000).
Quelle: Status 2021: Statistik der Nichtberufsunfälle und des Sicherheitsniveaus in der Schweiz der Beratungsstelle für Unfallverhütung. Zahlen grösstenteils aus dem Jahr 2018 bzw. Durchschnitt 2014-2018.
GEFAHR 2: DAS BADEZIMMER
Welchen Bodenbelag hat das Badezimmer? Auf keinen Fall darf er bei Nässe zur Rutschfalle werden. Erst recht nicht in der Dusche oder Badewanne. Ansonsten schaffen auch hier Matten und Gleitschutzstreifen Abhilfe, während Haltegriffe beim Ein- oder Ausstieg Sicherheit geben. Steckdosen in der Nähe von Dusche oder Badewannen sehen wir hoffentlich keine: Schliesslich ist in diesem Bereich absolute Vorsicht geboten mit Strom und elektrischen Geräten! So oder so aber lohnt es sich, alte Strominstallationen im Haus zu erneuern und mit FI-Schaltern auszurüsten, die im Notfall vor Stromschlägen schützen können.
Treppe gilt ein Maximal-Abstand zwischen den Stufen von zwölf Zentimetern, ansonsten schliessen Kinderschutzleisten die Lücke. Auch beim Treppengeländer mit Stäben sind diese zwölf Zentimeter Abstand die Norm, damit kein Kinderkopf hindurchpasst, während die Mindestgeländerhöhe mit 90 Zentimeter, bei Zwischenebenen mit einem Meter angegeben wird.
Foto: Floortje/iStock.com
GEFAHR 3: ZIMMER UND KÜCHE
Mit Kindern im Haushalt sollten Steckdosen allgemein mit einer Kindersicherung ausgerüstet sein. Das gilt auch für Fenstergriffe in den oberen Etagen und manche Schränke – hoffentlich, gleich wie Regale, an der Wand befestigt – und Schubladen in der Küche, damit Messer, Gifte oder Medikamente keine Gefahr sind. In der Küche schützt ein Herdschutzgitter Kinder vor heissen Pfannen. Aber auch für Erwachsene ist hier Gefahrenzone. Dabei beginnt Sicherheit beim
Einräumen der Geschirrspülmaschine mit der Messer-Schnittfläche nach unten und geht bis zum Brandschutz mit Feuerlöschdecke und Brandmelder, die sich allenfalls auch im ganzen Haus lohnen.
Foto: Reer GmbH
DIE EXPERTIN
Melanie Pinter,
Bauhaus
«BEI ZWEIFEL, BESSER EINE FACHPERSON BEIZIEHEN
Melanie Pinter, was ist Ihr Tipp, wie man sich bei kleinen Heimwerker-Arbeiten am besten vor Unfällen schützt?
Beim Aufhängen eines Bildes reicht in der Regel eine stabile Leiter mit gutem Halt, ein funktionierender Hammer und ein passender Nagel, allenfalls noch eine Schutzbrille für mehr Sicherheit. Arbeiten an Strominstallationen und Steckdosen müssen zudem unbedingt von einer Fachperson durchgeführt werden.
Und bei grösseren Arbeiten?
Häufig kommt es zu Unfällen, da Werkzeuge und Geräte unsachgemäss verwendet werden. Deshalb: Arbeiten Sie nur mit Werkzeug, mit dessen Umgang Sie vertraut sind. Im Zweifelsfall ziehen Sie besser eine Fachperson bei. Die Schutzausrüstung muss ausserdem den Gegebenheiten angepasst sein, jedoch nach dem Motto: Lieber zu viel als zu wenig. Ob Schutzbrille, Handschuhe, rutschfestes und stabiles Schuhwerk, lange Hosen, Staubmasken, Gehörschutz oder Helme – die Sicherheit steht an erster Stelle.
Wie sieht es im Garten aus?
Hier können Stolperfallen wie herumliegende Kabel, Eimer oder Werkzeuge und Geräte gefährlich werden, ein aufgeräumter Arbeitsplatz ist immer wichtig! Auch im Garten braucht es ausserdem Schutzausrüstung. Mähen Sie den Rasen zum Beispiel nicht in Flip-Flops oder barfuss und suchen Sie den Rasen vorgängig auf herumliegende Gegenstände oder Kinderspielzeug ab. Nach getaner Arbeit sollten sämtliche Arbeitsgeräte gereinigt und für Kinder unzugänglich verstaut werden.
GEFAHR 4: AB IN DEN GARTEN
Gehen wir raus an die frische Luft: Achtung vor der Glastüre, die hoffentlich Sicherheitsglas enthält. Das mindestens einen Meter hohe Geländer – je nach Absturzhöhe auch mehr – schützt auch im Freien bei allem, was über einen Meter runtergeht. Ansonsten lauern hier die Gefahren vor allem beim Gärtnern (siehe Expertentipp). Mit Kindern verzichtet man ausserdem am besten ganz auf Giftpflanzen, legt unter potenzielle Kletterbäume eine Fallschutzmatte und sichert
vor allem Wasserstellen: Das Wasserfass mit einem kindersicheren Deckel, den Teich zum Beispiel mit einem Metallgitter, den Pool mit einem Zaun. Gleich wie der Garten selbst, damit Kinder nicht auf die Strasse herausrennen. So lassen sich Haus und Garten doch schon viel entspannter geniessen. Aufmerksam bleiben aber sollte man trotzdem immer!
Foto: 4B AG

